Weblog

10/06: Die "Weekends of the Horsemen" 2013 auf Arhöna

Am 07.06.2013 war es wieder soweit. Ein Highlight unseres Kursjahres: Unser Kurs auf Arhöna bei den „weekends of the horsemen“. Wir freuen uns immer wieder auf die Anlage, das Wohnen im Zirkuswagen, dass ausgesprochen leckere Essen, die Menschen und auf die wunderschöne Landschaft mitten im Biosphärenreservat Rhön.

Leider konnten wir dieses Jahr unseren großen Wurf von 2012 nicht wiederholen, aber das wäre auch schwer gewesen. Wir hatten letztes Jahr einen bis oben hin vollen Kurs mit Teilnehmern und Zuschauern.
Aber gerade die Tatsache, dass dieses Jahr der Kurs eher gemütlich geblieben ist, hat dazu beigetragen, dass auch er etwas Besonderes war. Wir haben die gesamten zwei Tage nur mit unserer kleinen Teilnehmertruppe verbracht. Vom Frühstück bis zum abendlichen Lagerfeuer mit Gitarre.


Am Lagerfeuer
Am Lagerfeuer


Und noch ein Highlight hat sich ergeben: da eigentlich alle Teilnehmer, die mit Pferd teilgenommen haben, ein Leihpferd von Arhöna gleich mitgebucht hatten, hatten wir die einzigartige Möglichkeit mit einer 7 -köpfigen Herde von jungen PRE Stuten (ab ca 1,5 Jahren) zu arbeiten. Diese Pferde waren obendrein gerade ein paar Tage zuvor aus Spanien gekommen, hatten vorher kaum Kontakt zu Menschen gehabt und waren daher quasi noch roh! Auch die Teilnehmer waren natürlich begeistert davon.
Am ersten Tag haben wir uns mit unseren Schülern ausschließlich um diese Stuten gekümmert. Das beinhaltete, den zwei kleinsten das Halfter und das Führen näher zu bringen, alle Pferde mit dem Reitplatz bekannt zu machen und ihnen auf dem Weg dorthin z. B. bei gefährlichen Pfützen und Engpässen zu helfen.


Jenny mit einer der spanischen Stuten am Hänger



Alle haben ihren Job super gemacht. Die Menschen, die Pferde (und die Trainer wohl auch). Die Teilnehmer ohne Pferd hatten auch Glück: da diejenigen Stuten, die zurückbleiben sollten, allzu unsicher und aufgeregt wurden, mussten wir uns kurzerhand entschließen, gleich die ganze kleine Herde mitzunehmen. So hat es sich ergeben, dass auch die Zuschauer für einige Zeit ein Pferd an die Hand nehmen konnten.
Die Pferde haben unglaublich schnell gelernt und die Teilnehmer, die vorher mit Natural Horsemanship noch nicht oder nur ein bisschen in Berührung gekommen waren, konnten die neuen Ideen so gut umsetzen, dass wir am Ende des Tages mit einer entspannten Herde wieder am Ausgangspunkt angekommen waren.





Am Sonntag haben wir zwei der spanischen Senoritas und zwei Schulpferde mit auf den Platz und in die Halle genommen.
An den etwas erfahreneren Schulpferden konnten wir gut einige Motivationsthemen zeigen und üben. Den unerfahrenen Pferde haben unsere Schüler beigebracht, wie gut es sich anfühlen kann, wenn man seinen Kopf einschalten kann und Druck nicht mit Gegendruck beantwortet und wie man sich mit unheimlichen Situationen (zum Beispiel dem Hänger) auseinandersetzt. Außerdem haben sie gelernt, sich daran zu gewöhnen, das etwas (ein Reitpad) auf ihrem Rücken liegt und auch noch festgeschnallt wird. Auch dabei haben Pferde und Menschen vorbildlich zusammengearbeitet – besonders, wenn man bedenkt, dass beide Seiten auf diesem Gebiet eigentlich noch Anfänger waren.



Eine der spanischen Stuten wird mit dem Barebackpad bekannt gemacht


Wir sind sehr dankbar für diese Gelegenheit und auch für das Vertrauen, dass man uns bei Arhöna entgegengebracht hat. Und natürlich sind wir auch dankbar, dass wir immer Teilnehmer in unserem Kurs haben, die uns gut zuhören und sich so viel Mühe geben, die Menge an neuer Information zu verstehen und umzusetzen. Wir denken, wir haben mal wieder bei einigen Menschen den Grundstein dafür gelegt, Pferde in Zukunft mit anderen Augen zu sehen, sie besser zu verstehen und ihnen dadurch besser helfen zu können, gemeinsame Ziele zu erreichen!


05/02: Gute Vorbereitung endet nicht, wenn das Pferd entspannt auf den Hänger geht...

Was macht man bei -14° C, einem gefrorenen Reitplatz und dem Elan, etwas ganz besonderes zu machen? Ganz einfach, man hängt den Pferdehänger ans Auto und übt mit den 2 kleinen Pferdchen Hänger fahren.



Heute Morgen um 9.00 Uhr haben wir unseren spontanen Plan sofort in die Tat umgesetzt. Das letzte Mal haben wir Lex und Amy im Spätsommer verladen und sind dabei auch kleinere Abschnitte auf dem Hof mit ihnen gefahren. Amy war ziemlich hampelig und Lex sehr angespannt und verschwitzt. Aber wir waren trotzdem sehr zufrieden, weil wir die beiden jedes Mal wieder auf den Hänger fragen konnten. Es ist uns klar, dass es am Anfang nicht perfekt funktionieren muss.

Nach der etwas längeren Pause von einigen Monaten und den knackigen Temperaturen am heutigen Tage waren wir doch etwas unsicher, ob wir die beiden tatsächlich so entspannt verladen kriegen, dass wir auch wirklich losfahren können. Mit aufgeregten Pferden hätten wir uns natürlich nicht auf den Weg gemacht. Aber unglaublicherweise war es überhaupt kein Problem: Lex ist sofort in den Hänger rein gestiefelt und hat sich genüsslich über das Heu hergemacht. Peer hat ihn dann trotzdem noch mehrmals wieder raus gebeten, um zu schauen, ob er wirklich entspannt ist, oder ob er nur wegen des Heus in den Hänger gegangen ist, aber der junge Mann konnte überhaupt nicht verstehen, welchen Sinn das Aussteigen aus dem Hänger machen sollte und so haben wir ihm dann „seinen Willen“ gelassen und er durfte auf dem Hänger verweilen.




null

Amy musste ich auch die ganze Zeit schon festhalten und nachdem die Sache mit Lex ja offensichtlich geregelt war, habe ich dann Amy auch auf den Hänger gelassen. Auf mein Fragen ist sie auch noch einmal wieder ausgestiegen, aber auch sie wollte lieber wieder in den Hänger rein. Bei diesen beiden Pferden ist es echt unglaublich, aber jedes Mal, wenn sie eine Aufgabe verstanden haben, ist es ganz klar, dass sie die Sache auch machen.



Unsere gute Vorbereitung hatte sich also schon einmal mehr ausgezahlt und die beiden waren super entspannt, so dass wir die Klappe geschlossen, die beiden noch vorne befestigt haben und uns dann auf „große Fahrt“ begeben konnten.

Unsere erste „große Fahrt“ bestand aus einer Runde durch unser schönes Dortmund- Löttringhausen, Fahrzeit ca. 5 Minuten, Startort: Friegshof, Ankunftsort: Friegshof. Da wir noch nie mit den beiden so eine lange Strecke gefahren sind, waren wir natürlich gespannt, wie sie die Fahrt verkraftet hatten. Peer und ich stiegen beide aus dem Auto und öffneten die vordere Hängertür, damit wir die Pferdchen nach dem ersten Abenteuer in Ruhe begrüßen konnten. Die Fahrt an sich fanden wohl beide schon etwas aufregend, aber sie konnten uns nett begrüßen, drängten nicht gegen die Stangen und fraßen schon wieder weiter am Heu. Amy hatte vor lauter Frust Lex ein paar Mal in den Hals gebissen, was dieser aber mit seiner stoischen Ruhe einfach ertragen hat (was blieb ihm auch anderes übrig, gegen seine große Schwester). Nachdem wir ihnen noch etwas Zeit gegeben und sogar das Auto nochmals gestartet haben, machten wir die Stricke vorne los, um das Abladen vorzubereiten (Merke: niemals mit angebundenem Pferd die Klappe und Stange öffnen). Peer machte zunächst noch ein bisschen „Klappen- Friendly- Game“, indem er die Klappe nur ein paar Zentimeter herunter ließ und dann wieder schloss, usw.




(Peers Klappen- Friendly- Game Spezial)


Amy ging einmal rückwärts gegen die Stange, weil sie wohl mit dem Öffnen der Klappe rechnete. Als sie aber merkte, dass sie wohl noch etwas warten musste, fraß sie ihr Heu weiter. Lex fraß sowieso die ganze Zeit entspannt.



Nachdem die Klappe unten war, machte Peer mit den Stangen ebenfalls solange Geräusche ohne die Stangen zu öffne bis er sicher war, dass beide entspannt waren und nicht nach draußen drängelten. Er öffnete dann in Ruhe die Stangen und ich musste tatsächlich beide Pferde vorne bitten, rückwärts zu gehen. Sowohl Lex als auch Amy waren trocken und jeder hatte einmal geäppelt. Dies war auf jeden Fall ein voller Erfolg für uns, wobei schon noch Anspannung bei beiden, vor allem jedoch bei Amy zu spüren war. Wir stellten die beiden auf den Reitplatz, damit sie sich ihre Zeit vertreiben konnten, machten den Hänger sauber (bei -14 °C gefrieren Pferdeäppel tatsächlich innerhalb von 15 Minuten) und drehten unser Gespann um. Der Zeitvertreib von Lex und Amy bestand darin, genau zu beobachten, was wir so machen. Ihr Gesichtsausdruck sagte: „Können wir noch was machen?“ Gar kein Problem sagten wir!

Also folgte der 2. Teil: Wir wiederholten das ganze Prozedere, was trotz der vorangegangenen Fahrt wieder überhaupt kein Thema war. Lex und Amy stiefelten ohne jegliches Zögern in den Hänger, so dass wir beide Pferde innerhalb von 1 Minute verladen und den Hänger geschlossen hatten.



Unsere zweite Runde dauerte ein bisschen länger, diesmal durch Kleinholthausen und durch Hombruch, so dass wir ca. 15 Minuten mit dem Hänger unterwegs waren. Man bemerkte die beiden da hinten drauf aber kaum, so dass wir uns überlegten nicht wieder sofort zum Hof zu fahren, sondern schon unser nächstes Ziel anzusteuern, nämlich unseren Nachbarhof. Ich hatte am Morgen schon dort angerufen und gefragt, ob es in Ordnung wäre, wenn wir mit unserem Pferdehänger und unseren zwei jungen Pferden rüber gefahren kommen. Axel konnte zwar nicht genau den Sinn hinter dieser Aktion verstehen und schaute dann auch sehr belustigt, als wir tatsächlich auf seinen Hof fuhren, aber die Hauptsache ist ja auch, dass wir und unsere Pferde wissen, wie sinnvoll es ist, alles gut vorzubereiten und zu üben. Wir luden erneut ab, und hatten auf dem fast fremden Hof zwei super entspannte Pferde, die sich freuten hier und da ein paar Halme Heu zu finden. Peer lief mit den beiden ein wenig herum und ließ sie überall schauen, während ich den Hänger umdrehte. Sie hatten auch auf dieser Fahrt jeder noch einmal geäppelt, waren aber überhaupt nicht verschwitzt. Ein super Ergebnis! Nach einem kurzen Aufenthalt haben wir die beiden gefragt, wie es so mit dem Hänger aussieht und siehe da, es war wieder eine Sache von ein paar Sekunden und unser Gespann war erneut startklar.

Weil alles so super geklappt hatte, waren Peer und ich uns einig, dass wir jetzt einfach wieder zum Hof zurück fahren und den beiden ihre Zeit mit ihren Freunden gönnen wollten. Die Fahrt von Axel zu uns geht ziemlich schnell, trotzdem handelt es sich um eine erneute Hängerfahrt, und bedeutet in der Regel immer wieder neuen Stress. Aber auch diese Fahrt meisterten unsere Pferdchen bravourös. Zum Abschluss ließen wir sie erst noch einige Zeit auf dem Hänger stehen, liefen auf dem Hof rum, gingen in den Stall. Das Abladen ging genauso von statten, wie das erste und das zweite Mal und Amy verließ vorbildlich und sehr entspannt den Hänger.



Ich bedankte mich bei ihr und ließ sie frei auf dem Hof laufen, damit sie sich ein bisschen Gras suchen durfte. Lex war sichtlich froh, das Heunetz nun für sich alleine zu haben und verschwendete überhaupt keinen Gedanken daran, den Hänger zu verlassen. Mehr konnten uns unsere Pferde überhaupt nicht schenken!!! Peer fragte Lex trotzdem irgendwann runter, weil er ja sauber machen wollte. Lex ist auch kurz halb runter und sofort wieder rein und hat dann einfach sein Heu weiter gefressen. Es hat ihn nicht mal gestört, dass Peer zwischen seinen Hufen den Hänger ausgefegt hat. Peer hat ihn dann nach einiger Zeit wieder herunter gefragt und es bot sich uns ein Bild für die Götter. Lex stand ein paar Meter vom Hänger entfernt am Gras ohne zu fressen und wirkte sehr „nachdenklich“. Später war unsere Interpretation: „Dieses Gras ist ziemlich eingefroren, auf dem Hänger ist noch super Heu. Ich könnte Peer fragen, ob ich nochmals auf den Hänger darf. Mal schauen, was er sagt!“ Lex drehte sich nach einiger Zeit um, kam zu Peer und schaute zum Hänger. Peer sagte ihm, dass er gerne nochmals drauf gehen dürfte, was er dann auch schnurstracks tat. Ich liebe diese Pferdchen!



Es war so ein schönes Bild diese entspannten jungen Pferde zu sehen, wie sie nach ihren ersten Hängerfahrten einfach bei uns und dem Hänger bzw. sogar auf dem Hänger blieben und fraßen. Beide waren natürlich frei!!!

Ich bin so froh, dass wir diese Aktion heute gemacht haben, weil ich mir so viel sicherer bin, dass wir mit diesem Vorgehen uns und unseren Pferden einen ganz soliden, entspannten und sicheren Weg ermöglichen, zukünftig auch mal längere Fahrten zu meistern. Am liebsten möchten wir die beiden ja schließlich mal mit zu Peer nach Brühl nehmen.
Unser nächstes Projekt wird aber erst einmal sein, wieder mit kurzen Etappen verschiedene Ziele zu erreichen. Z. B. eine schöne Wiese, o. ä. danach vielleicht fremde Höfe und Hallen, dann mal eine Autobahnfahrt, usw.

Das Bild was ich vor Augen habe ist, dass wir irgendwann einmal auf einem fremden Hof mit unseren Pferden sind, möglicherweise bei irgendeinem besonderen Event. Irgendwo steht unser offener Hänger. Lex und Amy sind frei und wir brauchen nur zu sagen: „Lex, Amy wir wollen nach Hause, könnt ihr schon mal auf den Hänger gehen?“ Und schon machen sich die beiden auf den Weg. Wenn ich ganz ehrlich bin, weiß ich, dass dieser Traum gar nicht so weit weg ist!!!




Danke an unsere tollen Pferde, dass ihr so schon mitgemacht habt. Und danke an Peer, dass wir mal wieder beide in jedem Moment wussten, was wir machen wollten und sollten und alles so entspannt abgelaufen ist.

Eure Jenny



23/12: Frohe Weihnachten 2011

Hallo liebe Pferdefreunde!

Peer und Bolero Weihnachten

Wir möchten uns wieder mal in der besinnlichen Zeit des Jahres mit einem großen "Dankeschön" an euch alle richten (den Rest des Jahres hat man ja keine Zeit dazu!...)

Das erste "Dankeschön" geht an all diejenigen von euch, die auch 2011 wieder auf uns und unsere Ideen vertraut haben, auch wenn es oft anstrengend ist, gewohnte Muster hinter sich zu lassen und zu verstehen, wie simpel eigentlich vieles ist, was man für kompliziert hält . Aber auch uns ging es ja mal so. Also verliert nicht den Mut!

Danke an alle von euch, die direkt und indirekt daran beteiligt waren, dass wir im letzten Jahr mit unseren Kursen, Demos und Vorträgen noch mehr Menschen erreichen konnten als in den vorangegangenen Jahren. Je mehr Menschen erfahren, dass es auch einen sinnvolleren und für beide Seiten angenehmeren Weg zum Erfolg mit Pferden gibt, je besser.

Danke an alle, die uns mit ihren Fragen und mit ihrer Kritik dazu gebracht haben, uns alles was wir sagen vorher immer besser zu überlegen und hinterher immer besser zu überprüfen.

Danke an die netten und schlauen Leute vom Internet, deren Erfindungsreichtum und deren harte Arbeit es uns ermöglicht, viele Menschen besser und schneller an unserer Arbeit und unserem Wissen teilhaben zu lassen.

Danke an unsere Familien, weil sie manchmal auf uns verzichten müssen, wenn wir auf Achse sind, und vor allem weil sie trotz anfänglicher Angst, Zweifeln und manchmal blankem Unverständnis mittlerweile daran glauben, dass wir das Richtige tun. (und danke, dass Sätze wie "Mensch Junge, warum hast du nichts Gescheites gelernt?", schon lange der Vergangenheit angehören )

Und natürlich gilt unser aller persönlichster Dank wieder mal den Pferden. Unseren eigenen, weil sie uns alles beigebracht haben und euren, weil sie uns helfen, es an euch weiter zu geben. Außerdem allen anderen Pferden, weil sie mit unverwüstlicher Hoffnung darauf warten, dass irgendwann jemand sie verstehen wird und schließlich auch denjenigen Pferden, die aufgegeben haben und keine Hoffnung mehr haben, dafür, dass sie es (hoffentlich) nicht uns zum Vorwurf machen, weil sie vielleicht wissen, was unsere Mission so schwer macht: man kann nicht allen helfen.

Wir wünschen euch allen und euren Pferden und Familien erholsame Feiertage und einen guten Start ins neue Jahr. Wir hoffen, dass wir uns im nächsten Jahr motiviert wiedersehen,
und wir wissen, dass wir beide nächstes Jahr garantiert wieder unglaubliche Dinge erleben werden! Wenn ihr dabei sein wollt, wisst ihr ja wo ihr uns findet...

Euer Natural-Horseman Duo

Peer und Jenny.
null

24/10: Alte Herausforderungen und neue Herausforderungen

Lex

In den letzten Wochen ist unser Pferdealltag wieder reicher und interessanter geworden. Das liegt daran, dass wir eine neue Herausforderung haben: Lex. Lex ist Amys Halbbruder und gehört seit ein paar Wochen zu uns. Er ist dreieinhalb Jahre alt, also 3 Monate jünger als Amy. Lex kommt aus gutem Hause. Er ist dank seiner guten Aufzucht sehr menschenbezogen, an allem interessiert und lernt gerne und schnell. Trotzdem hat man mit ihm alle Hände voll zu tun. Weil er so interessiert an allem ist, ist er überall und nirgends und man muss 100% da sein, wenn man mit ihm unterwegs ist. Wenn man das aber schafft, ist er dann auch sehr aufmerksam.



Lex

Er lernt wirklich sehr schnell. Das Seltsame ist, dass er zuerst immer unsicher reagiert, wenn er von uns mit etwas Neuem konfrontiert wird, sich dann aber in unglaublicher Rekordzeit überzeugen lässt, dass da vielleicht doch was Sinnvolles dahinter steckt. Zum Beispiel habe ich als Aufsteige- Desensibilisierung schnell angefangen neben ihm hoch und runter zu hüpfen. Damit war er zuerst gar nicht einverstanden, und er war so unsicher damit, dass er ganz aufgeregt und angespannt das Weite suchte. Nach nur wenigen Minuten allerdings konnte er dabei schon ruhig stehen bleiben, und an seinem ersten Tag bei uns, saß ich schon auf seinem Rücken, während er entspannt war; er hat gleich gelernt, wie dieses Spiel funktioniert. Es ist als sagt er jedes Mal erst: „Oje, was ist das denn?“, und nach wenigen Versuchen: „Ach so, das ist ja einfach! Klar, das kann ich machen.“






Bei vielen solcher kleinen Gelegenheiten hat er mir seither im Schnelldurchlauf immer wieder gezeigt, wie wichtig und richtig der Weg ist, den wir eingeschlagen haben. Der natürliche Weg, der sich nach dem Pferd richtet und nicht nach dem Menschen, den das Pferd vorgibt und nicht der Mensch. Und natürlich wie viel leichter es ist, einem Pferd zu helfen, das von Anfang an viel positiven Kontakt zu Menschen hat und sich außerdem seine natürliche Neugier auf die Welt und sein Interesse Neues zu lernen erhalten durfte. Pat Parelli hat einmal Tom Dorrance gefragt, was er ihm als wichtigste Botschaft hinterlassen würde. Tom Dorrance hat darauf geantwortet: „Treibe einem jungen Pferd niemals die Neugier aus.“
Und Galileo Galilei hat einmal gesagt: „Die Neugier steht immer an erster Stelle eines Problems, das gelöst werden will.“



Es tut gut zusehen, wie viel Spaß der kleine Kerl am Lernen hat, und wie schnell er seine Unsicherheiten in Neugier und positive Muster umwandelt. Doch leider erscheint vor diesem Hintergrund das Los so vieler anderer kleiner Kerle noch trauriger, die zwar vielleicht ihre Kindheit noch mit anderen Pferden in Freiheit verbringen können oder sogar eine schöne Zeit mit Menschen haben, aber für die der Spaß spätestens aufhört, wenn es an die „Arbeit“ geht. Im Zusammenhang mit jungen Pferden ist eine der häufigsten Fragen an uns: „Wann kann man denn mit einem jungen Pferd anfangen zu arbeiten?“ Und unsere Antwort ist immer die gleiche: „Überhaupt nicht!“

Pferde arbeiten nicht. Sie spielen und lernen, streiten sich, vertragen sich, wollen wie alle anderen auch, sich gut und sicher fühlen und versuchen ansonsten irgendwie einen Sinn aus allem zu machen, was um sie herum passiert. Und wenn wir ihnen dabei helfen, haben wir einen Freund für´s Leben, der auch gerne mal etwas für uns tut.
Diese Botschaften immer weiter zu verbreiten gehört auch zu unseren alten und neuen Herausforderungen!



Peer und Bolle 2007

Der andere Teil meines persönlichen Pferdealltags, auch eine „alte Herausforderung“, ist ziemlich oft das Gegenteil von Lex. Bolero ist ein alter Hase sowohl was Horsemanship angeht, als auch was Menschen im Allgemeinen und mich im Besonderen angeht. Wir kennen uns seit mindestens 13 Jahren. Ich habe ihn sogar vor dieser Zeit schon einmal erlebt, als er noch Hengst war. Er hat viel Zeit alleine verbracht (als Hengst), war und ist ein ausgezeichnetes „natural Man-Horse“, also quasi ein Pferd, das sich bestens mit der Natur des Menschen auskennt und auch gut darin ist, sein Wissen geschickt für seine Zwecke einzusetzen.



Bolero hat mir fast alles beigebracht, was ich über Pferde weiß. Er hat oft seine liebe Mühe damit gehabt, weil ich nicht immer schnell von Begriff war. Er hatte aber viel Geduld und Ausdauer (zwei der wertvollsten Lektionen, die ich von ihm habe) und hat wohl immer daran geglaubt, dass ich es irgendwann schon kapiere.
Er hat aber natürlich auch seine Vorteile davon gehabt; Privilegien, um die ihn sicher die meisten anderen Pferde beneiden. Er hat Freiheiten, von denen sie nur träumen. Kein Anbinden, kein Festhalten, kein Zerren und reißen, dafür Gras und, Selbstbestimmung, Verlässlichkeit und vor allem des Pferdes höchstes Gut: viiieeel Freiheit.

Bolero weiß mittlerweile, wie die Dinge bei uns laufen, er weiß es so gut, dass er sich die meisten coolen Dinge, die wir zusammen machen, selbst einfallen lässt. Die Herausforderung mit ihm ist, auch zu erkennen, dass er eine gute Idee hat. Das versuchen wir zwar immer, aber er denkt eben oft schon ein paar Schritte weiter, eben weil er weiß, wie es läuft. Das hat er erst kürzlich wieder unter Beweis gestellt.



Mein „Projekt“ im vergangenen Sommer war das Hinlegen. Früher konnte ich mich Bolero kaum auf 10m nähern, wenn er sich gerade wälzte, und schon sprang er auf und machte sich aus dem Staub. Irgendwann konnte ich dann aber zu ihm hingehen, ihn später auch mal streicheln und am Ende über ihn drüber klettern und er ist sogar mit mir auf seinem Rücken aufgestanden. Also habe ich mich daran gemacht, das andere Ende der Skala zu üben: das Hinlegen. Ich habe es dann auch geschafft, dass er sich hinlegt, wenn ich neben ihm stehe und mit Stick oder Fuß im Sand scharre. Ein großes Fragezeichen war nur, wie schaffe ich das, wenn ich auf ihm sitze? Mit Stick oder gar dem Fuß konnte ich ja von oben schlecht den Sand erreichen. Was mir geholfen hat, das Hinlegen vom Boden aus zu etablieren, war, dass der Boden auf unserem Reitplatz an einer Stelle sehr tief war, und er sich da sowieso gerne hinlegte.

Als ich einmal auf eben diesem Platz mit Bolero ritt, merkte ich, dass er an der einen Seite immer einen großen Bogen lief. Zuerst dachte ich er passt einfach nicht auf. Doch es stellte sich schnell heraus, dass ich mal wieder nicht aufgepasst hatte. Er zog nämlich immer an die tiefe Stelle. Jetzt muss ich noch dazu sagen, dass ich die Nummer mit dem Hinlegen immer als Feierabendlektion gemacht hatte. Weil ich so lange dafür gebraucht hatte, wollte ich natürlich, dass er sie auch als positiv im Gedächtnis behält. Also machte ich sie immer als Letztes. Das heißt: danach ist Feierabend. Das steigert (besonders beim Bolle) nämlich enorm die Motivation.



An diesem Tag hatte er offensichtlich schon nach ein paar Minuten große Lust auf einen frühzeitigen Feierabend. Denn genau das versuchte er mir mitzuteilen. Der Bogen, den er lief, zeigte nämlich immer ganz genau in Richtung der Stelle mit dem tiefen Sand. Als ich das merkte, ließ ich ihn einfach da hin laufen um zu sehen, was er machen würde. Und tatsächlich lief er geradewegs in den tiefen Sand und legte sich – immer noch mit mir oben drauf – hin! Voilà!

Ich hatte schon einige Ideen und einen Plan, wie ich das hatte üben wollen, aber der Bolero war mal wieder schneller: „Hier, schau mal“, hat er gesagt, „so einfach geht das! Du musst mir einfach zuhören!“
Mittlerweile legt er sich überall gerne hin; auf dem Platz, auf der Wiese, sogar mitten auf einem riesigen freien, abgemähten Maisfeld (was ich immer noch nicht glauben kann…).



Egal ob es um alte oder neue Herausforderungen geht, egal, ob man ein Pferd schon jahrelang kennt, oder erst ein paar Minuten. Es geht immer viel mehr darum, auf die Pferde zu hören, als ihnen etwas zu sagen. Wenn ihr ihnen erlaubt und sie ermutigt Fragen zu stellen, ihre eigene Meinung zu sagen und euch ihre Ideen vorzuschlagen, werden sie euch immer wieder überraschen und euch Dinge schenken, die ihr nicht für möglich gehalten habt, oder Ideen haben, die vielleicht besser sind als eure eigenen.

Ihr macht euch das Leben leichter, wenn ihr euch auf eure Pferde einlasst.

Denkt daran, wenn ihr das nächste Mal zu euren Pferden geht!

Peer


24/08: Arhöna 2011 – gute Vorbereitung, gute Gelegenheit

Peer und Jenny

Ein amerikanisches Sprichwort sagt: Glück ist, wenn gute Vorbereitung auf eine gute Gelegenheit trifft.
Und das galt auch für unseren Aufenthalt bei den „weeks of the horsemen“ auf dem bekannten Natural Horsemanship Hof ArhönA in diesem Jahr.
Erst fanden wir es natürlich schade, dass unser Kurs nicht zustande gekommen ist, aber dann hat sich mal wieder bewahrheitet, dass sich aus fast jeder Situation was gutes machen lässt, wenn man mit der richtigen Einstellung an die Sache rangeht.
Wir haben uns also nicht daran gestört und sind trotzdem hingefahren. Um zu schauen und zu lernen und uns motivieren und inspirieren zu lassen.
Unser Zimmer in einer Pension konnten wir erst nach einigem hin- und herfahren und einem Zwischenstopp in einer Pizzeria (deren Besitzer dachte, wir hätten uns vielleicht verfahren, wegen des Dortmunder Nummernschilds) beziehen. – Aber auch nur vielleicht, denn wir sollten uns später noch mal melden, die Sachen könnten wir aber schon mal dalassen. Naja.

jenny und Alfonso
Jenny und Alfonso Aguilar

Bei Arhöna hatten wir dann aber direkt ein Highlight. Alfonso Aguilar war da und wir haben uns ihm gleich vorgestellt. Er ist sehr nett, freundlich und lustig, und wir haben uns ein Weilchen unterhalten. Er erzählte uns von seiner Zeit mit Pat Parelli, Tom und Bill Dorrance und Ray Hunt, und wie er schon von seinem Vater in Mexico lernte, dass man mit Strafen und Gewalt bei Pferden nicht weit kommt und einiges mehr.

Wir wurden gefragt, ob wir am Mittwoch, dem Trainer Demo Tag noch da wären und eine Demo machen könnten. Da das nicht der Fall war, fragten wir, ob wir denn nicht unseren Motivationsvortrag halten könnten, den wir „ganz zufällig“ dabei hatten. Ja, das wolle man besprechen, hieß es.

Danach sprachen uns drei Zuschauer an, und sagten uns, dass sie extra für uns bis zu viereinhalb Stunden hier her gekommen seien und es sehr schade fanden, dass unser Kurs nicht stattfand. Wir haben gleich ein Schulpferd organisiert und mit ihnen für den nächsten und übernächsten Tag Einzelunterricht ausgemacht. Danach hatten sie schon wieder bessere Laune!

Später am Abend bekamen wir noch bescheid, dass wir, wenn wir wollten, den Vortrag Samstag UND Sonntag halten konnten. Und natürlich wollten wir.



Abends spät in der Pension angekommen, meldeten wir uns wie geheißen beim Wirt, der sich lauthals über irgendjemand beschwerte, den er am Telefon nicht hätte erreichen können, der sich um unser Zimmer hätte kümmern sollen, was er aber nicht getan hat, weshalb wir jetzt doch in ein anders Zimmer umziehen mussten. Wir schliefen, noch voll der vielen Eindrücke, erst spät ein.

Am Samstag haben wir viele alte Bekannte getroffen. Zum Beispiel kam Ian Benson (aus Neuseeland) und seine Frau Anke vorbei. Und Lene Husch und Nicole Rädel haben wir getroffen, die wir von Silke Vallentins Pferdemusical Fuego kennen.

Außerdem war Markus Eschbach da, der einen Roundpenkurs gab. Mit ihm haben wir uns ebenfalls gut verstanden und es hat Spaß gemacht ihm beim Unterrichten zuzuschauen, weil er offensichtlich viel Spaß dabei hat und das gleiche auch seinen Schülern vermittelt.


Unser eigener Unterricht am Nachmittag hat uns aber auch Spaß gemacht und es hatte wohl keiner unserer drei „Fans“ mehr das Gefühl umsonst gekommen zu sein. Wir mussten sogar noch ein Autogramm auf eine „Motivation 2“ DVD geben. Auch Alfonso Aguilar bekam eine DVD und er wollte gleich wissen, ob er die denn auch seinen Schülern als Motivation zeigen dürfe. - "Na gut, wenn´s sein muss, ausnahmsweise..."

Motivationsvortrag

Abends war es dann Zeit für unseren Vortrag. Es war schon etwas einschüchternd, dass Markus Eschbach und Alfonso Aguilar im Publikum waren, aber jetzt gab es ja kein zurück mehr. Es lief dann auch alles gut. Die Technik spielte mit und wir hatten volles Haus in der Cavaletti Bar. Danach haben wir noch einige Fragen der Zuhörer beantwortet und haben dann Feierabend gemacht.

Gleich am nächsten Morgen haben wir erfahren, dass unser Vortag schon Spuren hinterlassen hat. Leute sprachen uns an und erzählten von Diskussionen über Motivation und jemand hatte sogar von uns geträumt.

Auch die Trainer ließ das Thema wohl nicht los, denn oft, wenn wir in der Nähe waren, sagte jemand das Wort Motivation mit einem bedeutungsvollen Blick in unsere Richtung oder sogar einem Zusatz wie „Habe ich das jetzt richtig gesagt?“

Unterricht im Roundpen

Auch an diesem Sonntag hatten wir eine Einzelsession mit Margot, die extra mit ihrer Tochter für uns angereist war. Diesmal waren wir im Roundpen. Am Ende hatten wir fast den ganzen Markus Eschbach Kurs als Zuschauer – inklusive Markus Eschbach.



(roter Pfeil = Markus Eschbach)

Der Vortrag am Sonntagabend war nicht so gut besucht, wie am Samstag, aber dafür waren diesmal Ian Benson und Gino Edwards, der Initiator des Zauberwalds, mit im Publikum.
Im Übrigen gab es an diesem wie am vorherigen Abend einen ganz klaren Publikumsliebling: Nachwuchshorseman Henry. Von Henry, Jennys Sohn, haben wir einen kleinen Videoclip in den Motivationsvortrag eingebaut. Am ersten Abend hat er sogar seinen eigenen Applaus bekommen. Alle fanden Henry toll. Er ist jetzt nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, Neuseeland, Texas und Mexico bekannt!

Am Montag, unserem Abreisetag, konnten wir uns noch ein bisschen entspannen. Wir schauten Gino Edwards viel bei seinem Zirkus-Kurs zu. Auch mit ihm kamen wir sehr gut aus. Er ist sehr nett, lustig und liebenswert und auch bei ihm steht der Spaß an der Arbeit mit den Pferden ganz oben.

All die Pferdemenschen, die wir an diesem Wochenende und bei anderen Gelegenheiten getroffen haben, haben unserer Meinung auch gerade diese wichtige Eigenschaft gemein, die ihnen sehr hilft, mit Pferden die tollsten Dinge zu erreichen und vor allem ihnen zu helfen: man fühlt sich einfach wohl bei ihnen, sie sind liebenswert und es ist immer angenehm und geht freundlich zu. Und gerade die Pferde genießen das. Es geht nicht wirklich um Dominanz oder Konditionierung. Es geht vielmehr darum, bei wem man sich wohlfühlt.


jenny

peer

Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr.

Peer und Jenny





10/08: Pferden helfen, die Erste

von Jenny

Amy und Jenny

Die meisten Leute glauben, wenn ein Pferd ein Problem hat, muss man sehr aktiv werden und sehr viel dazu tun, um zu helfen. Ich denke, es ist häufig anders. Anstatt einfach etwas zu MACHEN, sollte man sich eher Mühe geben, heraus zu finden, wo die Ursache liegt, und hier gezielt helfen…

Ich wollte euch von 3 Pferden erzählen, mit denen ich letzte Woche zu tun hatte. Hier kommt die erste Geschichte:

Das erste Pferdchen hat augenscheinlich wirklich ein riesiges Problem. Denn alles, was irgendetwas mit Menschen zu tun hat, bereitet ihr offensichtlich schlechte Laune. Ihr ganzer Ausdruck sprach Bände: extrem angelegte Ohren, sehr hoch gezogene Nüstern, zusammen gepresste Lippen und ein Blick, der mehr als deutlich sagte: „Lasst mich bloß in Ruhe, geht weg von mir, ich will nichts mit Menschen zu tun haben,…!“
Unsere neue Schülerin hat zum Glück ein schönes Ziel, sie möchte gerne etwas an der Beziehung machen, damit sie und ihr Pferdchen eine schönere Zeit miteinander verbringen können.
Wir wissen, dass Pferde für ihr Verhalten in der Regel einen Grund haben. Häufig ist dieses Verhalten provoziert durch eine große Unsicherheit. Auch wenn es auf uns Menschen wie bewusster Hass oder übersteigerte Wut wirkt, liegt der Grund meistens eher darin, dass sie mit diesem Verhalten am erfolgreichsten damit sind, die Menschen wirklich möglichst fern von sich zu halten oder sie an dem zu hindern, was sie gerade machen möchten. In der Regel reagieren Menschen leider in solchen Fällen nicht besonderes verständnisvoll, sondern üben aufgrund von vielen Missverständnissen oftmals noch mehr Druck aus, was die Unsicherheit und somit das vom Pferd gezeigte Verhalten noch verstärkt.
Bei unserem ersten Treffen mit der Stute haben wir sie erst mal losgebunden (sie war auf der Stallgasse festgemacht, weil sie dort geputzt wurde), einfach am langen Strick gehalten und sie ganz in Ruhe gelassen. Sie sollte erst einmal merken, dass Menschen auch einfach da sein können, ohne dass jemand etwas von ihr möchte.

- Hier liegt eigentlich schon die Ursache für einen großen Teil von Problemen zwischen Pferden und Menschen. Wenn jeder mal ganz ehrlich darüber nachdenkt: Wie oft geht ihr zu eurem Pferd, ohne tatsächlich etwas von ihm zu wollen? Meistens haben wir schon ziemlich konkrete Bilder im Kopf: Mit der Freundin zusammen ausreiten, auf dem Platz reiten, das Pferd irgendwie bewegen, mindestens das Pferd putzen, etc. Pferden ist deshalb ziemlich schnell bewusst, dass eigentlich jeder Mensch, der zu ihnen kommt, etwas von ihnen will. Nicht falsch verstehen! Natürlich darf man auch etwas von seinem Pferd wollen und natürlich kann man ganz viele tolle Dinge mit seinem Pferd zusammen machen. Es darf nur ein wichtiger Faktor nicht fehlen: Wie geht es meinem Pferd dabei, was sagt mein Pferd dazu, ist es sinnvoll, fair und gerecht?

Es hat lange gedauert, bis sich das Pferd entspannen konnte, und angefangen hat, sich seine Umgebung anzuschauen. Man konnte ganz klar sehen, dass sie irgendwann gedacht hat: „Die stehen da ´rum und unterhalten sich, offensichtlich hat es tatsächlich nichts mir mit zu tun!“ Wir sind dann mit der Stute rausgegangen und haben mit unserer Schülerin ein paar einfache Sicherheits- und Führübungen gemacht, außerdem ganz viel Pause, in der sich die Kleine alles anschauen durfte, was sie so interessierte.


Amy und Jenny

Beim nächsten Besuch wurde ich darum gebeten, doch mal zu schauen, ob man etwas machen kann, damit die Stute beim Putzen nicht immer so schlechte Laune hat.

Wenn ich etwas mit „Problem- Pferden“ mache, gehe ich grundsätzlich nicht mit der Einstellung heran, dass ich ihnen etwas beibringen oder abgewöhnen möchte, sondern dass ich ihnen helfen möchte ein Problem zu lösen. In diesem Fall ging es mir also nicht darum dem Pferd zu zeigen, dass es sich beim Striegeln nicht so anstellen solle, sondern mich hat viel mehr interessiert, was ich dem Pferd Gutes tun bzw. wie ich ihm eins seiner Probleme nehmen kann.
Ich stellte mich neben das Pferd mit der Einstellung nichts von ihm zu wollen und begann es am Hals zu streicheln, was ihm aber nicht so wirklich recht war, daraufhin begann ich es zu kratzen, woraufhin meine Schülerin sagte: „Jenny, ist das Pferd immer noch schlecht gelaunt!“ Nein - genau das Gegenteil war der Fal: das Pferd genoss in vollen Zügen das Kratzen. Sie schob die Oberlippe vor, die Ohren waren locker, der Kopf genüsslich nach oben gestreckt. Wenn ich aufhörte zu kratzen, kam sie sofort wieder zu mir und hielt mir genau den Teil ihres Halses oder Widerristes hin, den ich kratzen sollte. Es war faszinierend, wie dieses Pferd innerhalb von Sekunden seine Einstellung mir gegenüber verändert hat. Die Stute hatte nun auch nichts mehr dagegen, wenn ich eine Bürste nahm. Sie konnte sogar daran riechen und ich konnte sie mit jeder Bürste am ganzen Körper striegeln und kratzen.
Ich hatte den Eindruck, zum ersten Mal hatte dieses Pferd das Gefühl, dass man nichts von ihr wollte, sondern dass man ihre Sorgen und Bedürfnisse wahr genommen und sich darum gekümmert hat und vor allem, dass sie das bekommen hat, was sie sich gewünscht hat. Meine Schülerin hat in diesem Moment sehr viel über ihr Pferd gelernt und es war überhaupt kein Problem, dass auch sie sie striegeln und kratzen konnte. Es hatte einfach etwas mit der Einstellung zu tun!

Bis zum nachsten Eintrag,

Eure Jenny


27/07: Mark Rashid

Heute haben wir uns einen etwas anderen Blogeintrag für euch vorgenommen. Es geht um den Einfluss, den ein bekannter amerikanischer Horseman auf uns hat; genauer gesagt sind es seine Bücher, die diesen Einfluss haben. Die Rede ist von Mark Rashid. Einige von euch kennen vielleicht den Namen oder haben schon mal was von ihm gelesen, denn wir empfehlen jedem, der uns nach Literatur fragt, seine Bücher.
Wir sind natürlich von vielen Horsemen beeinflusst und begeistert, aber Mark Rashids Art zu schreiben und zu erzählen ist, naja, beinahe etwas unheimlich.

Jenny Bolero Peer

Peer hatte die Erfahrung schon vor vielen Jahren gemacht bei seinem ersten Mark Rashid Buch. Immer wenn er ein paar Seiten gelesen hatte und danach etwas mit Bolero machte, lief auf einmal alles besser: leichter, weicher, mit mehr Spaß und mehr Motivation. Dabei schreibt er eigentlich nichts über Techniken oder Übungen. Sondern nur über die Einstellung. Über eine einzigartige Art und Weise sich voll auf das Pferd einzulassen.

Jenny Bolero Peer

Jenny hat seit ihrem ersten Mark Rashid Buch den gleichen Eindruck. Und sie kann mittlerweile kaum noch aufhören seine Bücher zu lesen. Auch wenn man eigentlich alles weiß was da drin steht, er kann es auf seine besondere Art und Weise so schreiben, dass man sich wieder drauf besinnt, die Dinge wirklich zu TUN, von denen man eigentlich überzeugt ist.
Wie heißt es so schön: „The Problem is not that people don´t know what to do, it´s that they don´t do what they know.“ (Das Problem ist nicht, dass Menschen nicht wissen was sie tun sollen, sondern dass sie nicht das tun, von dem sie wissen, dass sie es tun sollten). Denn oft kommen einem doch noch der eigene Ehrgeiz in die Quere, oder man lässt sich beeinflussen von der Meinung der Masse darüber, was man mit Pferden tun muss.
Man kann es nicht an etwas Konkretem festmachen, aber wir glauben, sein Geheimnis ist, dass sich bei ihm eben alles um die Pferde dreht (was Pferde brauchen) und nicht um die Reiter (was Menschen wollen).

Mark Rashid schafft es also immer wieder, uns dazu zu bringen die Pferde mehr mit dem Herzen zu sehen als mit den Augen oder durch den Filter unserer Wünsche und ehrgeizigen Ziele.
So wird man (fast) nebenbei zu einem besseren Horseman.

Wir können nur jedem empfehlen seine Bücher zu lesen ….

Hier geht es zu seiner Homepage.

Wir würden uns freuen, wenn ihr eure Erfahrungen zu diesem Thema mit uns teilt. Zum Beispiel als Kommentar zu diesem Artikel.

Bis zum nächsten Eintrag

Peer und Jenny

Peer und Jenny.

21/07: Cowboy Casey aus Texas

So eine Gelegenheit bietet sich einem Horseman aus Deutschland nicht oft: einen echten Texas Cowboy zu unterrichten.

Peer und Casey

Casey ist 13 Jahre als und ist so ein Cowboy – Gut, er reitet nicht und hatte bis jetzt auch nicht viel mit Pferden zu tun, aber er kommt aus Texas und wohnt auf einer Ranch, auf der es auch viele Pferde gibt. Seine Oma und sein Opa aus Deutschland haben dagegen schon etwas mit Pferden zu tun. Mit ihnen (Martin und Christa Räpple) habe ich einige Jahre lang Unterricht gemacht.

Vor ca. 3 Jahren war ihr anderer Enkel, Caseys großer Bruder Michael, schon bei ihnen zu Besuch, und ich habe ihm mit Timid einen Crash Kurs in Natural Horsemanship gegeben.

Jetzt sollte ich das gleiche mit Casey machen. Ich ahnte schon, dass er wie sein Bruder mehr Lust an einem wilden Galopp hatte als an den Feinheiten der Pferdekommunikation, was sich dann auch als wahr herausstellte. Aber er hat auch sehr gut aufgepasst, was ich ihm erzählt habe. Am letzten Tag hatte er sogar SO viel Spaß daran, dass Timid ohne Seil mit ihm überall hin ging, dass er die Liberty-Lektion lieber noch ein bisschen ausdehnen wollte, anstatt gleich zu reiten.

Peer und Casey

Es war ein schönes Bild, wie er mir nach kaum 15 Minuten ganz stolz mit einer völlig freien Timid über den grün bewachsenen riesigen Reitplatz entgegen kam.

Natürlich galoppierte er auch (nach der dritten (!) Stunde schon alleine) auf dem Reitplatz hin und her. Aber auch hierbei hat er Rücksicht auf die Timid (und seinen Hintern) genommen, indem er immer nur von einem leckeren Grasfleck zum anderen galoppiert ist und dort eine ausgiebige Pause gemacht hat.

Peer und Casey

Ich hatte in den wenigen Unterrichtsstunden auf jeden Fall viel Spaß und am Ende das Gefühl, dass er talentiert ist und mit der richtigen Unterstützung sicher weit kommt. Und so habe ich ihn mit dem Auftrag nach Texas zurückgeschickt, 20 Teilnehmer für einen Kurs zusammen zu trommeln, damit wir es uns leisten können ihn besuchen zu kommen und ihm noch ein bisschen was beizubringen...

Davon berichten wir euch hier natürlich auch!

Bis zum nächsten Eintrag

Euer Peer


28/06: Amy das Ausreitpferd

Gestern hatte ich das unglaubliche Vergnügen zum ersten Mal mit Amy ausreiten zu dürfen. Meine Kleine ist wirklich der Hammer. Sie war genauso entspannt, wie bei unseren Spaziergängen und ganz leicht zu händeln, als ob es das Normalste der Welt wäre, dass sie mich auf ihrem Rücken durch die Gegend trägt.

Natürlich habe ich mich immer nur für einige Hundert Meter auf sie gesetzt, danach bin ich wieder abgestiegen und wir sind zusammen gelaufen.

Jenny und Amy

Losreiten ging einfach auf „Küsschen“, maximal Fußspitzen nach außen drehen. Anhalten hat über „Ausatmen“ funktioniert. Die laterale Biegung ging zu beiden Seiten mit weniger als 100 Gramm. Danke, danke, danke, du tolles Pferdchen!

Wie sagen Pat und Linda immer so schön: „Preparation is everything“. Wie wahr diese Worte doch sind.

Ich bin so stolz, dass Peer und ich alles so entspannt und fast ganz nebenbei mit Amy gemacht haben. Auf einmal ist sie auch ein „Reitpferd“ und es fühlt sich so an, als ob dies das normalste von der ganzen Welt ist.

Ich kann euch allen nur wünschen, so gut mit euren Pferden zu werden, dass sie mit dieser riesigen Portion Motivation dabei sind, wie es mein kleines Pferdchen immer ist. Bleibt achtsam auf euer Pferd, dann werdet ihr die ganzen vielen Geschenke sehen, die sie euch jeden Tag geben. Und je besser ihr darin werdet, euch für diese Geschenke zu bedanken, umso glücklicher werden eure Pferde sein und ihr natürlich auch.

Als ich mich neulich mit Peer über Amy unterhalten habe, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass sie so ein tolles Pferd ist, weil ich sie einfach so habe sein lassen, wie sie ist, d. h. ich habe nicht versucht sie zu verändern oder etwas von ihr wegzunehmen, sondern habe alles an ihr so genommen wie es war. Lediglich ihre ganz tollen Seiten habe ich noch gefördert.

Jenny und Amy

Also: Versucht nicht eure Pferde zu dem zu verändern, was ihr euch vielleicht wünscht, sondern versucht die Dinge zu sehen, die sie schon in sich haben. Ihr werdet überrascht sein…

Bis zum nächsten Mal

Eure Jenny


27/06: Die Pferdezauberer

Vom 14. bis 17. Juni fand auf dem Siegel-Hof in Schwetzingen (Boleros Heimat) ein Pfingstferienkurs von Isabelle H.- Moranos „Erlebnisorientiertes Reiten“ für Kinder ab 6 Jahre statt.
Unter dem Motto Spaß, Spiel & Bewegung rund um´s Pferd konnten die Kids in ein paar Tagen viel erleben.

Jenny

Peer und Jenny und die Kinder

Am Freitag Nachmittag waren Jenny und ich mit einer Mischung aus Demo und Unterricht auch dabei.

Ich habe natürlich den Bolle da gehabt und Jenny durfte dank Jenny Leibold mit ihrer mittlerweile schon fast alten Freundin Timid spielen. Zuerst haben wir uns mit den Kindern mitten auf den Reitplatz gesetzt. Bolle und Timid waren auch schon da und hatten noch ein bisschen Pause. Bei unserer kleinen Theorierunde kam bald raus, dass einige schon ganz gut wussten, was Pferden wichtig ist – nämlich eigentlich nicht viel anderes als uns auch.

Peer

Danach haben Jenny und ich abwechselnd mit Timid und Bolero einige Grundlagen der Pferdekommunikation gezeigt und dabei erklärt, und zwar am Boden, auf dem Pferd, mit Seil und ohne Seil. Obwohl unsere beiden Hauptdarsteller auf Grund des Wetters nur sehr wenig Lust hatten das, was wir erklärten, auch mit Taten zu beweisen, haben sie doch gut mitgemacht.

Bolero hat sich sogar entgegen seiner Gewohnheiten von jeweils mindestens 5 oder 6 Kindern gleichzeitig die Nase streicheln lassen! Das lag auch hauptsächlich daran, dass sie ihn alle sehr nett gestreichelt haben.

Peer

Peer und Jenny

Am Schluss durften dann die Ferienkursteilnehmerinnen selber ran: Alle, die Lust hatten, durften einmal Timid oder Bolero eine Frage stellen: ohne anfassen rückwärts fragen, Hinterhand weggucken, seitwärts auf sich zufragen, auf den Zirkel schicken, nur mit den Fingerspitzen die Vorhand wegschieben etc. So konnten alle ein Gefühl dafür bekommen wie wenig eigentlich nötig ist, um ein Pferd nett zu fragen und viel dafür zu bekommen.

Wir hoffen, dass einiges von dem, was wir gezeigt haben, was wir gesagt haben und was die Kinder gefühlt haben da angekommen ist, wo es hingehört: in den Herzen der Kinder, den zukünftigen Reitern und Pferdemenschen.

Jenny

Jenny und Timid hatten auf alle Fälle sofort einen Superfan: Julia, eine der „Erlebnisorientiertes Reiten“ Crew, hätte am liebsten gleich alles gelernt, was es über NHS zu lernen gibt.
Und bei einigen Kindern hatten wir schon einen Spitznamen: Die Pferdezauberin und der Pferdezauberer.

Uns hat es auf jeden Fall Spaß gemacht und zukünftige Projekte sind schon geplant. Wir freuen uns drauf.

Fotos zu dem Nachmittag findet ihr auf facebook bei „Erlebnisorientiertes Reiten“

Bis zum nächsten Eintrag wünsche ich euch viel Geduld, Entspannung und Spaß mit euren Pferden.

Peer