Philosophie

Der natürliche Weg zu Erfolg und Partnerschaft mit Pferden

Es liegt mir am Herzen, dass Pferde als denkende und vor allem fühlende Lebewesen wahrgenommen werden, deren Ängste und Bedürfnisse, deren Standpunkt - kurz deren Natur ernstgenommen werden muss.
Das gilt für das Pferd, das Angst hat oder unsicher ist ebenso wie für das Pferd, das sich durch das Verhalten des Menschen dazu gezwungen sieht, im wahrsten Sinne die Zügel selbst in die Hand zu nehmen.

Ich möchte mit meiner Arbeit Menschen und Pferden das Leben leichter machen, die kleinere oder größere Probleme miteinander haben. Darüber hinaus arbeite ich mit Menschen und Pferden, die sich mehr Spass, mehr Progressivität und Abwechslung wünschen oder Ihre Ziele mit Pferden auf natürlichem Weg erreichen möchten.

Es gibt sicher viele individuelle Gründe dafür, warum Probleme auftauchen und ebenso viele, die Erfolge verhindern. Wenn man genauer hinschaut, kommt man unterm Strich allerdings auf eine einfache Formel, die es auf den Punkt bringt: Pferd und Mensch sind verschiedene Spezies, die auf ähnliche Situation mit z.T. entgegengesetzten Verhaltensweisen reagieren. Pferde sind Fluchttiere, und Menschen wirken jedenfalls auf Pferde in vielen (auch ganz alltäglichen) Situationen wie Raubtiere. Daraus ergeben sich natuerlich schier unbegrenzte Möglichkeiten für Missverständnisse und Konfrontationssituationen.

Dass es trotzdem nicht jedes Mal in einer Katastrophe endet, wenn sich Mensch und Pferd begegnen, ist sowohl der grossen Anpassungsfähigkeit beider Arten zu verdanken, als auch besonders der Tatsache, dass Pferde unendlich viel mehr Geduld mit uns haben, als wir verdient hätten.
Deshalb bin ich auch der Meinung, dass wir die Verantwortung haben, es nicht dem Zufall zu überlassen, wie unser Zusammenleben mit Pferden aussieht, sondern einen verlässlicheren Weg zu Kooperation und harmonischer Zusammenarbeit zu finden. Schließlich wollen wir sie ja unbedingt putzen, streicheln, reiten und uns an ihnen erfreuen.

Wenn wir nach einem natürlichen, also pferdegerechten Lösungsansatz suchen, ist der Dreh- und Angelpunkt die Beziehung zwischen Pferd und Mensch. Sie steht auf zwei Säulen: Respekt und Vertrauen.
Kommunikation und Psychologie sind die Mittel mit denen wir eine positive Beziehung aufbauen.

Vertrauen bedeutet Sicherheit. Sicherheit ist für das Fluchttier Pferd (über)lebenswichtig. Nur wenn es sich sicher fühlt und wenn es sich wohl fühlt, ist es auch in der Lage etwas zu lernen, mitzuarbeiten, und sich nicht wie ein Fluchttier zu benehmen. Die Vertrauenssäule der Beziehung hat im Zweifelsfall immer Priorität. Es ist die Basis, auf die man zurückfallen kann, wenn etwas schief geht

Das Wort Respekt hat hierzulande oft den negativen Beigeschmack der Angst. "Angst" kommt aber von "Enge"- Man kann sich vorstellen, dass dieser Zustand nicht dazu geeignet ist, bei einem Lebewesen Vertrauen zu erwecken, das für die Flucht in weiten Ebenen gedacht ist.
Eigentlich leitet sich "Respekt" aus dem lateinischen "respicere" ab, und das bedeutet zurückschauen, bemerken oder beachten. Daraus ergeben sich für Respekt etwa die Übersetzungen Rücksicht und Achtung.
Das macht deutlich, dass man Respekt durchaus niemandem beibringen kann, wie der Volksmund suggeriert, sondern dass man ihn sich nur verdienen oder ihn verschenken kann.
Natürlich müssen sich Pferde in der Natur auch gegen ihre Herdenmitglieder durchsetzen. Und das geschieht sogar hauptsaechlich durch das Prinzip der Raumnahme (also Enge) aber die beliebtesten Chefs sind auch bei Pferden die, bei denen man sich sicher fühlt. Meist gehen Rangauseinandersetzungen eher spielerisch und subtil vonstatten; ohne Angst; eben durch Psychologie. Und wer seinen Platz kennt und sich auf ihm sicher fühlt, ist zufrieden.., d.h. sind die Verhältnisse (=Beziehungen zueinander!) einmal geklärt und kennt jedes Pferd seinen Platz, fühlt es sich dort sicher und achtet die Stellung der anderen.

Unsere Rücksicht und Achtung vor der Natur des Pferdes ermöglicht es ihm uns zu Vertrauen. Dieses Vertrauen gibt dem Pferd Sicherheit, die es sonst auch in sozialen Bindungen (Herde) suchen würde und befreit es (wie in der Herde) von Verantwortlichkeiten. Es folgt uns und ist also bereit auch auf uns Rücksicht zu nehmen (sofern wir uns als faire und fähige Führungskraft herausstellen) Das heisst also: Respekt und Vertrauen sind untrennbar miteinander verbunden (das Substantiv "respectus" hat übrigens interessanterweise noch die Bedeutung eines "Zufluchtsortes"!)und sind immer gegenseitig.

Durch den Aufbau einer gemeinsamen Kommunikation und das Wissen um die Psychologie der Pferde bringt man das Pferd dazu mitzuarbeiten und mitzudenken.
Auch wir sind immer gefordert, unser Wissen zu erweitern und geistig am Ball zu bleiben. Die "Arbeit" wird für beide Seiten zum anregenden spielerischen Lernprozess; Probleme werden zu Herausforderungen, denen man sich gewachsen fühlt.

Wenn man sich darauf einlässt, die Beziehung vor seine Ziele zu stellen, passieren erstaunliche Dinge:

Es geht nicht mehr um Gewinner und Verlierer, d.h. anstatt gegeneinander zu kämpfen, ziehen Pferd und Mensch miteinander am gleichen Strang.

Man versucht nicht mehr sein Pferd dazu zu bringen, etwas zu tun, sondern ihm etwas beizubringen. Im Klartext heisst das, man zwingt das Pferd nicht, sondern hilft ihm die Lösung zu finden.

Unser Ziel ist nicht mehr die eigentliche Aufgabe oder Übung zu schaffen, sondern die Beziehung und Kommunikation zu verbessern - was automatisch ein besseres Ergebnis zur Folge hat.

Erfolge und Ergebnisse sind also nicht mehr Selbstzweck oder Ausdruck von zielstrebigem Ehrgeiz (=Raubtierstrategie), sondern "nur" noch Ausdruck der Qualität von Beziehung und Kommunikation.

Eine frustrierende alltägliche Konfrontation verwandelt sich in Kooperation (auf beiden Seiten!), die eine viel solidere und fruchtbarere Grundlage für Erfolge ist, als mechanische Hilfsmittel und Drill.

Erfolge, die so erreicht werden, sind dauerhaft und man kann am Ende des Tages mit bestem Gewissen sagen, dass man den Weg zum Glück auf Erden nicht auf dem Rücken der Pferde ausgetragen hat.